Friedensorganisationen verurteilen die US-Militärintervention in Venezuela

Friedensorganisationen verurteilen die US-Militärintervention in Venezuela

Live-Ticker zur US-Militärintervention in Venezuela von amerika21

IPPNW – Die IPPNW verurteilt völkerrechtswidrige Militärintervention / https://www.ippnw.de/startseite/artikel/de/die-ippnw-verurteilt-voelkerrechtswid.html

DFG-VK – Angriff auf Venezuela: US-Präsident Trump bricht einmal mehr das Völkerrecht / https://dfg-vk.de/angriff-auf-venezuela-us-praesident-trump-bricht-einmal-mehr-das-voelkerrecht/

pax christi – Sofortige Einstellung der Militäraktionen in Venezuela https://www.paxchristi.de/meldungen/view/5320346263617536/Sofortige%20Einstellung%20der%20Milit%C3%A4raktionen%20in%20Venezuela

IMI-Standpunkt – USA, Venezuela und die Trümmer des Völkerrechts https://www.imi-online.de/2026/01/05/usa-venezuela-und-die-truemmer-des-voelkerrechts/

Die IPPNW verurteilt völkerrechtswidrige Militärintervention

Die deutsche IPPNW-Sektion verurteilt die US-Militärintervention gegen Venezuela und die Entführung von Nicolás Maduro und seiner Frau. Dies ist ein klarer Verstoß gegen internationales Recht und das Gewaltverbot der UN-Charta. Die Vorwürfe von Wahlfälschung und die Zweifel an der Legitimität von Maduros Präsidentschaft rechtfertigen keinesfalls den offenen Völkerrechtsbruch der US-Administration. Die IPPNW fordert die Bundesregierung und die EU auf, diesen Verstoß unmissverständlich zu kritisieren und auf eine politische, friedliche Lösung hinzuwirken.

Bleibt eine eindeutige Verurteilung der internationalen Gemeinschaft aus, könnte die Intervention in Venezuela weitere Interventionen der USA zur Folge haben. Es besteht die große Gefahr, dass US-Präsident Donald Trump weitere gewählte Regierungen stürzen und die Kontrolle über die Ressourcen und Regierungen in verschiedenen Ländern übernehmen könnte, die sich nicht seiner Linie unterwerfen.

Das US-Vorgehen gegen Venezuela verschärft die Krise des internationalen Rechts. Wenn jetzt nicht gegengesteuert wird, könnte das Ende der Vereinten Nationen und ihrer Charta drohen und der Rückfall in die internationale Ordnung vor dem ersten Weltkrieg, als Großmächte mit wechselnden Allianzen, militärischen Drohungen und Kriegen ihren Kampf um Einflusssphären und Grenzen führten. Das endete bekanntlich in einem Weltkrieg, der heute atomar geführt werden könnte.

Die IPPNW hat Bundesaußenminister Johann Wadephul in diesem Sinne einen Brief geschrieben

Pressemitteilung vom 5. Januar 2026


DFG-VK Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnnen

Angriff auf Venezuela: US-Präsident Trump bricht einmal mehr das Völkerrecht

Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) protestiert gegen den US-amerikanischen Angriff auf Caracas: Die militärische Gewalt gegen die Hauptstadt Venezuelas stelle eine schwerwiegende Eskalation dar und verletzte grundlegende Prinzipien des Völkerrechts, insbesondere des Gewaltverbots der UN-Charta. Die deutsche Regierung müsse klare Worte finden und Konsequenzen ziehen, fordert die DFG-VK.

„Mit dem willkürlichen Angriff hat Donald Trump internationales Recht einmal mehr mit Füßen getreten“, hält Thomas Carl Schwoerer, Bundessprecher der DFG-VK fest: „Man kann nicht einfach so einen souveränen Staat überfallen und dessen Staatschef entführen, wenn einem dieser nicht passt“, so Schwoerer. Bereits die Angriffe auf Schiffe vor der venezolanischen Küste sowie die Kaperung von Tankern seien Verstöße gegen internationales Recht gewesen, so der DFG-VK-Bundessprecher.

Der Friedensverband fordert von der deutschen Regierung Konsequenzen: „Eine glaubwürdige Außen- und Sicherheitspolitik muss alle Gewalttäter und Rechtsbrecher gleichbehandeln: Die Bundesregierung muss den Angriff deutlich verurteilen, Sanktionen gegen die USA erlassen und etwa den Kauf von US-Rüstungsgütern sofort einstellen“, so Schwoerer. Notwendig seien zudem Schritte zur Deeskalation: „Es ist aktuell unklar wie viele Menschen beim US-Angriff getötet wurden – klar ist aber, dass ein offener Krieg noch mehr Leben kosten würde“, erklärt Thomas Carl Schwoerer. Er befürchtet außerdem eine massive Aufrüstung vieler Staaten, die sich vor solchen Willkürangriffen der USA schützen wollen: „Einmal mehr bringt Donald Trump die Welt in Unruhe“, so der DFG-VK-Sprecher.

Pressemitteilung der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, Stuttgart, 3. Januar 2026

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Venezuela-Konflikt: „Es geht darum völkerrechtliche Prinzipien zu verteidigen.“

Die DFG-VK sprach mit Prof. Dr. Stefan Peters, Professor für Internationale Beziehungen und Friedensforschung an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Leiter des deutsch-kolumbianischen Friedensinstituts CAPAZ, über die aktuelle Situation in Venezuela und Lateinamerika.

Wie ist die militärische Intervention der USA in Venezuela aus völkerrechtlicher Sicht zu bewerten, insbesondere im Hinblick auf Souveränität, Gewaltverbot und internationale Normen?

Es ist ein klarer und eindeutiger Verstoß gegen das Völkerrecht. Es gilt das zwischenstaatliche Gewaltverbot: Mögliche Ausnahmen wären Selbstverteidigung oder eine Autorisierung durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Beides liegt eindeutig nicht vor. Es ist auch keine polizeiliche Strafverfolgung, die übrigens auch die nationale Souveränität und die Immunität des venezolanischen Präsidenten verletzt hätte. 

Welche unmittelbaren und langfristigen Auswirkungen hat die militärische Intervention – auch im Zusammenspiel mit Sanktionen – auf die soziale, wirtschaftliche und politische Situation der venezolanischen Zivilbevölkerung?

Das ist weniger eindeutig zu beantworten: Die aktuelle Situation ist noch unübersichtlich. Die wirtschaftliche und soziale Lage im Land war auch vorher katastrophal. Die Wirtschaft Venezuelas hängt am Tropf der Erdöleinnahmen. Die Einnahmen sind durch fehlende Investitionen in die Produktion, gefallene Preise und auch durch die Sanktionen ab etwa 2013 massiv eingebrochen. Was danach kam, war die schwerste wirtschaftliche und soziale Krise in der Geschichte Venezuelas. Knapp 8 Millionen Menschen haben das Land verlassen. Die direkten Auswirkungen der Intervention dürften gering sein. Was jetzt passiert ist weiter unklar. Doch: Wenn Trump seine Ankündigungen umsetzt, wird es Investitionen in die marode Ölindustrie, aber auch einen Ressourcentransfer in die USA geben. Soziale Gerechtigkeit oder gar eine Abkehr von der aus verschiedenen Gründen problematischen Fokussierung auf Erdöl sucht man vergeblich.

Welche Debatten werden gerade in den umliegenden Ländern, wie z.B. Kolumbien, im Hinblick auf die völkerrechtswidrige Intervention der USA, geführt?

Lateinamerika ist politisch gespalten. Einige Länder, darunter die venezolanischen Nachbarn Kolumbien und Brasilien haben die Intervention energisch verurteil, andere – z.B. Argentinien – gefeiert. Auch in der Bevölkerung sind die Reaktionen gemischt und diese Polarisierungen werden zunehmen. Es gibt auch Sorgen bezüglich weiterer Militärschläge der USA gegen Kuba, Mexiko, Kolumbien und Grönland. Die Neuauflage der Monroe-Doktrin von Trump zeigt die imperialistischen Ambitionen der aktuellen US-Regierung. Es wird Gefolgschaft eingefordert, während unbequeme Positionen eingeschüchtert werden. Eine zentrale Diskussion betrifft, wie man mit der Situation umgeht, ohne sich anderen Großmächten wie China zu nähern.

Welche Rolle sollten europäische Staaten sowie zivilgesellschaftliche Akteure und Friedensorganisationen angesichts interventionistischer Politik gegenüber Venezuela einnehmen?

Es geht darum völkerrechtliche Prinzipien zu verteidigen. Sie sind nicht perfekt, doch das einzige Mittel, dass wir haben um weitere willkürliche Aggressionen Einhalt zu gebieten. Das Völkerrecht ist in einem kritischen Zustand. Wir sollten sehr genau überlegen, was wir an ihm haben. Ist es erst obsolet, werden wir es bei Bedarf nicht so schnell reaktivieren können. Das bedeutet eben auch einen Bruch des Völkerrechts auch als einen solchen zu bezeichnen und zu verstehen, dass dies nicht etwa die Unterstützung eines autoritären Regimes wie in Venezuela, sondern der Verteidigung grundlegender Prinzipien der internationalen Politik geht.

Zivilgesellschaftliche Akteure und Friedensorganisationen sollten Brücken bauen in die Zivilgesellschaft in Lateinamerika, in Europa und nicht zuletzt in den USA. Es darf auch nicht darum gehen, die Standards nach politischem Kalkül anzuwenden. Und wir brauchen vielleicht mehr denn je Engagement für Demokratie, internationale Zusammenarbeit und gegen die wachsenden Spaltungen auf allen Ebenen.

Welche nicht-militärischen, diplomatischen oder zivilgesellschaftlichen Ansätze sehen Sie als realistische Alternativen zu Intervention und Eskalation im Umgang mit den Konflikten in Venezuela?

Dies ist eine ebenso wichtige wie schwierige Frage. Veränderungen müssen aus der venezolanischen Gesellschaft kommen. Die Bedingungen hierfür sind gleichzeitig ob der Repression gegen Regierungsgegner*innen schwierig. Es braucht deswegen gerade niedrigschwellige Solidarität und Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Gruppen auch jenseits des inner circle von María Corina Machado, in der Kultur und nicht zuletzt die Rolle von Bildung und Wissenschaft sollte nicht unterschätzt werden. Zudem könnte gerade in enger Kooperation mit Ländern wie Brasilien, Mexiko und insbesondere Kolumbien entsprechende Prozesse unterstützt werden. Allerdings hat die US-Intervention die Möglichkeiten für solche Prozesse massiv verschlechtert. 

Prof. Dr. Stefan Peters besitzt seit 2024 eine Professur für Internationale Beziehungen und Friedensforschung an der Justus-Liebig-Universität Gießen. (Foto: Rolf K. Wegst)

Das Interview führte Yannick Kiesel


Erklärung von pax christi International

Sofortige Einstellung der Militäraktionen in Venezuela

05. Jan 2026

Nach der militärischen Aggression der Regierung und der Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika gegen die Bolivarische Republik Venezuela in der Nacht vom 3. Januar 2026 veröffentlichte Pax Christi International umgehend eine Erklärung, in der die Operation scharf verurteilt wurde.

Solche Machtdemonstrationen, so heißt es in der Erklärung, stehen in klarem Widerspruch zum Völkerrecht und bergen die Gefahr, dass ähnliche Aktionen der mächtigsten Staaten legitimiert werden.

In Anlehnung an die Worte von Papst Leo XIV. fordert Pax Christi International die sofortige Einstellung der Militäraktionen in Venezuela und steht weiterhin fest auf der Seite eines gerechten und abgerüsteten Friedens.

pax christi Deutschland schließt sich dieser Erklärung an.

Die Erklärung:

Pax Christi International verurteilt die schwere Verletzung des Völkerrechts durch die Regierung und die Streitkräfte der Vereinigten Staaten von Amerika durch die militärische Aggression, die am frühen Morgen des 3. Januar 2026 gegen die Bolivarische Republik Venezuela durchgeführt wurde. Dieser Akt der Intervention („Großangriff”) gegen das Territorium und die Zivilbevölkerung stellt einen Affront gegen den Weltfrieden und eine direkte Bedrohung der Grundlagen der Koexistenz souveräner Staaten dar.

Die Verletzung der internationalen Souveränität durch die Vereinigten Staaten stellt einen sehr gefährlichen Präzedenzfall dar, der weitere Verstöße dieser Art durch die Streitkräfte der mächtigsten Nationen rechtfertigen und legitimieren könnte und uns in eine unkontrollierte Situation der Ungerechtigkeit und Gewalt stürzen würde.

Pax Christi International, eine globale Friedensbewegung mit Beraterstatus bei den Vereinten Nationen, fordert die internationale Gemeinschaft auf, die Einhaltung des Völkerrechts und die sofortige Einstellung der Militäraktionen in Venezuela zu verlangen und appelliert aus seinem katholischen Glauben heraus an die internationale katholische Gemeinschaft, sich den wiederholten Aufrufen von Papst Leo XIV. zu Gewaltlosigkeit und einem „abgerüsteten und abrüstenden“ Frieden anzuschließen, der die internationale Ordnung wiederherstellt und die Rolle der Charta der Vereinten Nationen und der Proklamation Lateinamerikas und der Karibik als Zone des Friedens wiederherstellt.

Wir werden weiterhin das Prinzip der Selbstbestimmung der Völker hochhalten und uns solidarisch mit dem venezolanischen Volk zeigen, indem wir seine Menschenrechte achten, einschließlich des Rechts auf ein würdiges Leben für die Gemeinschaft, die sich derzeit in der Diaspora befindet.


IMI (Informationsstelle Militarisierung e.V.)

Ohne Kriegserklärung und dennoch mit brachialer militärischer Gewalt griffen die Streitkräfte der USA in den frühen Morgenstunden des 2. Januar 2026 Venezuela an. Sie bombardierten zivile und militärische Ziele und verschleppten Präsident Nicolas Maduro sowie seine Ehefrau Cilia Flores. Was bedeutet dieser eklatante Bruch des Völkerrechts für die Zukunft der internationalen Beziehungen? Ist die juristische Bewertung tatsächlich so komplex wie Kanzler Merz postuliert?

Die Eskalation und das Schweigen der Verbündeten

Dem militärischen Angriff auf Ziele in Caracas und der Umgebung ging eine längere Eskalation voraus. Die USA zerstörten mehr als 30 Fischerboote unter dem Vorwand, dass diese Drogen in die USA bringen könnten. Dabei starben über 100 Menschen. Darauf folgten Akte der Piraterie, in denen venezolanische Öltanker überfallen und in die Gewalt der USA gebracht wurden. Eine Hafenanlage auf dem venezolanischen Festland wurde angegriffen. Begleitet wurde dies vom größten Militäraufmarsch der US-Streitkräfte in der Karibik seit Jahrzehnten. Ein Flugzeugträger, die USS Gerald R. Ford, wurde verlegt, ehemalige US-Militärbasen in der Karibik wieder in Betrieb genommen und mindestens 15.000 Soldaten in die Region verlegt. Zu all dem gab es bestenfalls Bitten um rechtliche Klarstellung aber keine eindeutig kritische Stimme aus der deutschen Regierung oder der Europäischen Union. Exemplarisch für die auffällige deutsche Zurückhaltung steht die Äußerung des Sprechers des Auswärtigen Amtes Josef Hinterseher. Der auf einer Pressekonferenz auf die Frage nach der deutschen Haltung zu US-Invasionsvorbereitungen erklärte „jedes Vorgehen muss im Rahmen des Völkerrechts erfolgen. Es ist an den jeweiligen Parteien, darzulegen, ob und wie das der Fall ist.“ Einzelne Länder wie Spanien und Frankreich äußerten sich etwas kritischer. Insgesamt überwog jedoch das Schweigen. Die Regierung Venezuelas ließ sich trotz des Aufmarsches nicht zu einer militärischen Aggression provozieren, um keinen Vorwand für eine weitere Eskalation zu liefern. Schlussendlich war dies aber nicht relevant, da für die Trump-Regierung die Interessenlage ausschlaggebend war. Das Schweigen seiner Verbündeten konnte er dabei als Zustimmung oder zumindest Gleichgültigkeit interpretieren.

Das Venezolanische Öl

Venezuela verfügt mit 300 Milliarden Barrel über die weltweit größten Erdölreserven. Dies entspricht einem Anteil von rund 17 Prozent der weltweit bekannten Ölreserven. Obwohl die USA die eigene Erdöl-Produktion durch Fracking massiv ausgeweitet haben, benötigen sie nach wie vor Importe. Dabei fällt auf, dass in den letzten Jahren besonders der Import von Schweröl in die USA zunahm, um die Raffinerieauslastung zu gewährleisten. Genau dieses Öl, hofft Trump zukünftig aus Venezuela zu bekommen – indem er US-Ölkonzernen den Zugriff auf das venezolanische Öl ermöglicht. “Wir werden unsere sehr großen US-amerikanischen Ölkonzerne – die größten weltweit – beauftragen, Milliarden von Dollar zu investieren, um die stark beschädigte Infrastruktur, die Ölinfrastruktur, zu reparieren”, erklärte Trump auf einer Pressekonferenz in Mar-a-Lago zu der Zukunft der Venezuelas. Trumps Regierung gibt mit ihrem brachialen Zugriffsversuch auf das venezolanische Öl auch eine deutliche Drohung an Kanada und Mexiko, von denen die USA zurzeit das meiste Rohöl beziehen.

Die Trümmer des Völkerrechts

Das Agieren Trumps und seiner Regierung in Venezuela kann wohl nur als Staatsterrorismus bezeichnet werden. Venezuela hat die USA nicht angegriffen, es stand auch kein Angriff unmittelbar bevor und dennoch entführten Spezialeinheiten US-Armee-Delta Forces den Staatschef eines souveränen Landes. Mehr noch, er kündigte auch an, die USA würden weitere Angriffe starten, sollte die von ihnen ernannten  neuen Machthaber nicht wie gewollt spuren: „Wir werden uns jetzt um das Land kümmern, bis wir einen sicheren, geordneten und umsichtigen Übergang gewährleisten können“, sagte US-Präsident Trump der Pressekonferenz kurz nach Maduros Entführung. „Wir werden das Land mit einer Gruppe führen und wir werden sicherstellen, dass es ordentlich geführt wird.“

Dem gelernten Juristen Friedrich Merz fällt die rechtliche Bewertung trotzdem schwer: „Die rechtliche Einordnung des US-Einsatzes ist komplex. Dazu nehmen wir uns Zeit.“

EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas mahnt zu Zurückhaltung. Gleichzeitig erklärt sie, Maduro fehle die Legitimität als Staatschef. Indem Kallas die innenpolitische Fragestellung der Legitimität der venezolanischen Regierung in Zusammenhang mit dem militärischen Vorgehen der USA bringt, stärkt sie de facto Trumps Argumentation. Das völkerrechtliche Gewaltverbot ist die Grundnorm der internationalen Ordnung und gilt ganz unabhängig von der inneren Verfasstheit eines Staates.

Lula da Silva, der Präsident Brasiliens, ordnet das Geschehen treffend als einen „gefährlichen Präzedenzfall“ ein und mahnt vor einer Welt, „in der das Recht des Stärkeren herrsche“. Der Angriff auf Venezuela erinnere ihn an die „schlimmsten Momente der Einmischung“ in der Geschichte Lateinamerikas.

Kuba, Mexiko, Kolumbien und andere lateinamerikanische Staaten befürchten zurecht, dass auch bei ihnen ein Regime-Change mit massiver militärischer Gewalt durchgesetzt werden könnte. Doch die Signalwirkung geht über den merikanischen Kontinent hinaus. Mit welcher moralischen Autorität kann China vor einer Einmischung in Taiwan oder Russland vor einem weiteren Vorgehen in seiner Nachbarschaft abgehalten werden? Ohne klare und deutliche Ablehnung des US-Vorgehens wird das ohnehin schwer angeschlagene völkerrechtliche Gewaltverbot nicht nur geschwächt, sondern es droht zerstört zu werden.

Hände weg von Venezuela!

Das Vorgehen Trumps ist nicht nur nach internationalem Recht illegal, sondern verstößt auch gegen US-Recht. In den USA und in vielen Teilen regt sich Protest gegen das imperiale und autoritäre Vorgehen der US-Regierung. Die Menschen gehen auf die Straße und sie erinnern an die lange Geschichte des US-Imperialismus in Lateinamerika.

Doch der Protest richtet sich nicht nur gegen die Trump-Regierung, sondern auch gegen die westlichen Komplizen, denn deren Anspruch eine Wertegemeinschaft zu sein, ist mehr als unglaubwürdig geworden.

Während gegen Russland wegen des Angriffskrieges auf die Ukraine von der EU 19 Sanktionspakete verabschiedet wurden, ist das Vorgehen sowohl gegen Trump als auch gegen Netanjahu geprägt von extremer Zurückhaltung und fortgesetzter Kooperation.

Nötig ist es aber besonders die sicherheitspolitische Kooperation zu beenden, also keine militärische und keine geheimdienstliche Unterstützung für das US-Vorgehen zu leisten. Zu einem Ende der Kooperation gehört auch, das Vokabular der Aggressoren nicht zu übernehmen. Maduro wurde nicht „verhaftet“, wie es deutsche Medien teilweise beschreiben, sondern entführt beziehungsweise verschleppt.

Wer das Völkerrecht achtet, muss es entschieden verteidigen. Und das beinhaltet auch Verstöße beim Namen nennen und alle Angriffe darauf entschieden zurückweisen. Dies muss konsequent und überall gelten – egal ob in Gaza, in der Ukraine, im Sudan, im Iran oder in Venezuela.

Autorin: Claudia Haydt | Veröffentlicht am: 5. Januar 2026

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