Quelle und weitere Informationen: Aktuelle Ausgabe von Sand-Im Getriebe / Seite 17/18
Hiroshima und Nagasaki – Gedenktage am 6. und 9. August 2026
Am 6. und 9. August 1945 wurden die Städte Hiroshima und Nagasaki Ziel der ersten und bislang einzigen Atombombenabwürfe. Etwa 92.000 Menschen starben sofort, ca. 130.000 weitere Menschen starben bis zum Jahresende an den Folgeschäden. Auch 80 Jahre danach gedenken wir der Opfer. Sie mahnen uns, für eine Welt ohne Atomwaffen einzutreten. Doch noch immer gibt es weltweit 12.000 Atomwaffen von denen etwa 1.800 in ständiger Alarmbereitschaft gehalten werden und der Menschheit innerhalb weniger Minuten ein Ende bereiten können.
Das Ende des Zeitalters der Atomwaffen ist auch heute noch in weiter Ferne. Das Inkrafttreten des Atomwaffenverbotsvertrages (AVV) in 2021 lässt uns Hoffnung auf eine atomwaffenfreie Welt schöpfen. Mittlerweile wurde der Vertrag bereits von 73 Staaten ratifiziert. 25 weitere Staaten haben ihn bereits unterzeichnet (Stand: Mai 2025).
Die Botschaft, die der Atomwaffenverbotsvertrag in die Welt sendet, ist eindeutig: Die humanitären Folgen eines Einsatzes von Atomwaffen sind inakzeptabel. Deshalb müs sen wir die Atomwaffen abschaffen – bevor die Atomwaffen uns abschaffen. Diese Botschaft richtet sich auch an die
Bundesregierung, welche sich bis heute weigert, die US-amerikanischen Atomwaffen aus Büchel abziehen zu lassen und dem Verbotsvertrag beizutreten.
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Kazumi Matsui, Bürgermeister von Hiroshima und Präsident der Bürgermeister für den Frieden (Mayors for Peace)
Es ist mir eine Ehre und Freude, diese Botschaft anlässlich der Gedenkfeiern zu Hiroshima und Nagasaki in ganz Deutschland zu übermitteln.
Am 6. August 1945 verwandelte eine einzige Atombombe die Stadt Hiroshima in einem Augenblick in eine verbrannte Ebene und forderte unzählige Menschenleben. Die Hibakusha – die Überlebenden – leiden seitdem unter lebenslangem seelischem und körperlichem Leid, verstärkt durch soziale Diskriminierung, Vorurteile und die anhaltenden Folgen der Strahlung. Auch heute noch stehen viele vor großen Herausforderungen.[…] In einigen Ländern bestärken politische Entscheidungsträger die Vorstellung, dass Atomwaffen für die nationale Verteidigung unerlässlich seien. Diese Entwicklungen missachten eklatant die Lehren, die die internationale Gemeinschaft aus den Tragödien der Geschichte hätte ziehen sollen. Sie drohen, die Friedensbemühungen zu zerstören, an deren Aufbau so viele unermüdlich gearbeitet haben.
In Zeiten wie diesen ist es unerlässlich, im Geiste Hiroshimas zu handeln.[…] Dieser Geist ist eng mit dem Appell der Hibakusha verbunden, die, nachdem sie vergangenes Leid ertragen und Hass überwunden haben, darauf bestehen, dass niemand jemals so leiden soll wie sie.
Um die politischen Entscheidungsträger, die Sicherheitspolitiken verfolgen, die auf engstirnigen Eigeninteressen und nuklearer Abschreckung beruhen, zum Umdenken zu bewegen, dürfen wir, die wir eine wahrhaft friedliche Welt anstreben, niemals aufgeben. Stattdessen müssen wir uns noch stärker dafür einsetzen, einen Konsens in der Zivilgesellschaft für die Abschaffung von Atomwaffen zu erzielen.
[…] Es ist entscheidend, Basisinitiativen auszubauen, in dem wir den kulturellen Austausch, die Kultur, Kunst und Sport fördern, stärken und aktiv Möglichkeiten schaffen, den Willen zum Frieden zu teilen. Daher ist es von größter Bedeutung, dass Sie in ganz Deutschland Gedenkveranstaltungen zu Hiroshima und Nagasaki organisiert haben, um für eine friedliche Welt ohne Atomwaffen zu werben. Dafür
gebührt Ihnen mein tiefster Respekt.
Mayors for Pace erweitert gemeinsam mit seinen rund 8.600 Mitgliedsstädten weltweit den Kreis der Solidarität und des bürgerschaftlichen Engagements über Grenzen hinweg und fördert eine Kultur des Friedens, die sich entschieden gegen militärische Gewalt stellt. Damit werden wir die Politik dazu bewegen, von der nuklearen Abschreckung zu einer Sicherheitspolitik überzugehen, die auf Vertrauen und Dialog basiert. […]
Aus: Friedenskooperative Appell gegen Atomwaffen: Über 100 Städte, Gemeinden und Landkreise in
Deutschland und aller Welt haben sich bereits dem ICAN-Städteappell angeschlossen. ICAN ruft weltweit Städte dazu auf, den Vertrag zum Verbot von Atomwaffen https://www.atomwaffena-z.info/glossar/begriff/atomwaffenverbotsvertrag-avv zu unterstützen.
Große Städte in Asien, Europa, Nordamerika und Australien haben den Appell schon unterzeichnet. […]
Die ICAN-Aktion wird in Deutschland in Kooperation mit IPPNW und der Kampagne „Büchel ist überall! atomwaffenfrei.jetzt“ ausgeführt.
https://www.icanw.de/aktivitaeten/ican-staedteappell
Quelle: sig-161.pdf
DFG-VK: 55 prominente Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft, Politik, Kirche und Zivilgesellschaft haben heute einen gemeinsamen Offenen Brief an die Bundesregierung und den Deutschen Bundestag veröffentlicht. Sie fordern neue politische Initiativen für nukleare Abrüstung, die Stärkung des Völkerrechts und die Vorbereitung eines deutschen Beitritts zum UN-Atomwaffenverbotsvertrag.
Zu den Erstunterzeichnenden gehören unter anderem Gernot Erler (Staatsminister a.D.), Brigitte Lösch (ehem. Vize-Landtagspräsidentin), Michaela Wiezorek (Bürgermeisterin von Königs Wusterhausen), der Schauspieler Kai Schumann, die deutsch-französische Band „Zweierpasch“ sowie Phon van den Biesen (Co-Präsident der internationalen Juristenorganisation IALANA), der EKD-Friedensbeauftragte Friedrich Kramer und die Friedensforscherin Dr. Christine Schweitzer.
„Die Gefahr eines Atomkriegs ist heute wieder so groß wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Gerade deshalb dürfen die völkerrechtlichen Verpflichtungen zur nuklearen Abrüstung nicht in Vergessenheit geraten“, betont Dr. Inga Blum, Co-Vorsitzende der Internationalen Ärzt*innen zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) und ebenfalls Erstunterzeichnende.
Anlass für den Offenen Brief ist der 30. Jahrestag eines wegweisenden Gutachtens des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag (IGH) zur Völkerrechtswidrigkeit von Atomwaffen. Am 8. Juli 1996 stellte der IGH fest, dass die Drohung mit und der Einsatz von Atomwaffen grundsätzlich gegen die Regeln des humanitären Völkerrechts verstoßen.
Angesichts der aktuellen sicherheitspolitischen Entwicklungen sehen die Unterzeichnenden darin einen unvermindert gültigen politischen Auftrag. Sie erinnern daran, dass Atomwaffen Massenvernichtungswaffen mit unkontrollierbaren humanitären Folgen sind und dass sich alle Vertragsstaaten des Vertrags zur Nichtverbreitung von Atomwaffen verpflichtet haben, ernsthafte Verhandlungen über vollständige nukleare Abrüstung zu führen.
„Das Versprechen, Atomwaffen weltweit zu ächten und abzuschaffen, muss eingelöst werden!“, betonen die Unterzeichnenden des Offenen Briefes. Sie appellieren daher an Bundesregierung und Bundestag, sich entschieden für nukleare Rüstungskontrolle und die Stärkung des Völkerrechts einzusetzen.
Der Offene Brief an die Bundesregierung und den Bundestag wurde initiiert und organisiert vom „Aktionsbündnis atomwaffenfrei.jetzt“ – einem Netzwerk von rund 80 deutschen Friedensorganisationen und ‑gruppen – in Kooperation mit ICAN Deutschland.
Ab sofort ist der Brief drei Wochen lang zur allgemeinen Unterzeichnung offen unter: https://nuclearban-tour.de/nuclearban-tour/30-jahre-igh/
Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) ist Mitglied des Aktionsbündnis atomwaffenfrei.jetzt.
30 Jahre Gutachten des IGH zu Atomwaffen: Pflicht zu nuklearer Abrüstung – atomwaffenfrei.jetzt
Das Aktionsbündnis „atomwaffenfrei.jetzt“ bedauert das erneute Scheitern der UN-Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag, die Ende Mai ohne eine gemeinsame Schlussresolution zu Ende gegangen ist. Der Nichtverbreitungsvertrag (NVV) hatte vor über 50 Jahren nur wegen der im Vertrag enthaltenen Verpflichtung zu weltweiter nuklearer Abrüstung das Einverständnis der Nicht-Atomwaffenstaaten gefunden. „Die Atomwaffenstaaten jedoch treiben vertragswidrig die atomare Aufrüstung, die Modernisierung ihrer Arsenale und die Etablierung neuer nuklearer Teilhabemodelle voran“, kritisiert Bündnis-Sprecherin Dr. Hildegard Slabik-Münter und fügt hinzu: „Deutschland unterstützt diesen Kurs und will nun über die nukleare Teilhabe mit den US-Atomwaffen in Büchel hinaus auch noch eine deutsch-französische Atomwaffen-Kooperation aufbauen. Dieses vertragswidrige Handeln dürfen wir nicht hinnehmen!“
Das „atomwaffenfrei-Bündnis“ wird sich weiterhin für eine Welt ohne nukleare Bedrohungen einsetzen und sieht den 30. Jahrestag des Gutachtens des Internationalen Gerichtshofs zu Atomwaffen am 8. Juli 2026 als Gelegenheit, die Völkerrechtswidrigkeit und die verheerenden Wirkungen von Atomwaffen breit zu thematisieren. Das Gutachten hat die Drohung mit und den Einsatz von Atomwaffen als generell völkerrechtswidrig verurteilt sowie die Verpflichtung zu vollständiger nuklearer Abrüstung betont. Friedensinitiativen werden an diesem Tag zusammen mit dem von Hiroshima gegründeten Bündnis der „Mayors for Peace“ Protestzeichen für eine Welt frei von Atomwaffen setzen. Im Vorheinein findet am 21. Juni in Hannover eine vom Aktionsbündnis unterstützte öffentliche Fachtagung zu den Aussagen und Konsequenzen des IGH-Gutachtens statt (www.ialana.de).
Von Deutschland fordert das Bündnis den konkreten Einsatz für neue nukleare Abrüstungsverträge, eine Absage an jegliche nukleare Teilhabe und den Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag (AVV). Rund 100 Staaten haben diesen seit 2021 gültigen UN-Vertrag unterzeichnet und darüber hinaus vertraglich verbindliche „Atomwaffenfreie Zonen“ eingerichtet, die die Südhalbkugel der Erde prägen. Die erste Überprüfungskonferenz zum AVV findet zum Jahresende in New York statt. „Von dieser Konferenz erhoffen wir uns ein weltweites Signal für eine atomwaffenfreie Welt“, so Bündnis-Sprecher Martin Singe. „Genau so wie die chemischen und biologischen Massenvernichtungswaffen geächtet sind, müssen wir zur vollständigen Vernichtung und völkerrechtlich verbindlichen Ächtung aller Nuklearwaffen gelangen!“
Die rund 80 Mitgliedsgruppen und ‑organisationen des Aktionsbündnisses „atomwaffenfrei.jetzt“ werden ihre beharrliche Arbeit für die Ächtung von Atomwaffen auch im zweiten Halbjahr 2026 vorantreiben. Nach der Erinnerung an das IGH-Gutachten am 8. Juli folgen die Gedenktage an die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagaski am 6. und 9. August. Im Oktober wird das Bündnis gegen das Atomkriegsmanöver „Steadfast Noon“ demonstrieren, bei dem der Einsatz der in Büchel lagernden Atombomben von der Luftwaffe der Bundeswehr trainiert wird.
Schließlich wird das Agieren der Atomwaffenstaaten und der Bundesrepublik Deutschland anlässlich der ersten AVV-Überprüfungskonferenz im Dezember 2026 von Friedensgruppen kritisch beobachtet werden. Das Aktionsbündnis wird die Konferenz mit großem Interesse verfolgen und die Anliegen des Atomwaffenverbotsvertrags verstärkt in die Öffentlichkeit tragen.
